Mehrfach-Wertungder Redaktion

Runningwild  ResilientKaum eine andere Platte wurde in den letzten Jahren so mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt wie „Shadowmaker" von RUNNING WILD. Was war nur aus dem einstigen Metal-Flagschiff geworden? Songwriting, Produktion, Spielfreude, Cover, hier stimmte mal gar nix; ein Comeback, das keiner brauchte. Dabei war schon der vorläufige Abschied mehr als ominös.
Nachdem man zwei Jahrzehnte geprägt hatte, fing man mit den beiden letzten Alben schon an zu schwächeln. Dazu befand sich jeder, der bei Rock´n´Rolf anheuerte auf dem Schleuderstuhl. Nach Jahren der Funkstille und Gerüchten um andere Projekte gab der Bandboss sein Abschiedskonzert für Wacken 2009 bekannt. In den Augen vieler Fans, die keine Karte dafür hatten, eine Frechheit, womöglich hatten die Macher keine besseren Einfälle. Der Gig geriet halbgar, die Legende war verloren, die Reunion verkorkst, wer gab noch einen Cent auf die Truppe? Umso überraschender kommt jetzt „Resilient" in die Läden, welches wenigstens mal vom Artwork ein wenig mehr einlädt.

Zumindest ist der „Jolly Roger" mal darauf zurück gekehrt, ansonsten ist dieses ähnlich schlicht gehalten wie beim Vorläufer. Zurück gekehrt sind auch zuerst mal die klaren Metalbekenntnisse, der Opener legt sehr typisch los. „Soldiers Of Fortune" hat alles, was man von RUNNING WILD kennt, diese galoppierenden Riffs, die vielen Leadgitarren und die satt nach vorne gehende Marschrichtung.
Darüber darf man sich aber im weiteren Verlauf nur noch zweimal freuen, „The Drift" drückt mit Doublebass-Unterstützung sogar noch ein wenig mehr auf das Tempo. Den größten Aha-Effekt für die alten Fans hat sich Rolf Kasparek aber für ganz am Ende aufgehoben. Wuchtig, hymnisch, mit fetten Chören segelt er mit den Anhängern zur „Bloody Island". Ansonsten fällt in der Kategorie nur noch „Crystal Gold" auf, bei dem sich die Truppe auf ihre Wurzeln besinnt. So nahe war man ACCEPT in ihrer „Breaker/Restless And Wild"-Phase noch nie.

Der Rest fällt zwar vom Standard her nicht ab, schippert aber vermehrt in Hardrock-, bei „Down To The Wire" sogar in Retrorock-Gewässern. Die Hinwendung zum Riffrock war ja bereits auf „The Brotherhood" zu hören. Dass es daran liegt, dass die Alben seitdem nachlassen, glaube ich eher weniger, denn die klassischste aller harten Rockspielarten ist immer noch relevant, was viele Newcomer derzeit beweisen.
So weist schon Track Nummer zwei, der Titelsong, einen typischen Swing auf, treibt aber ebenso gut nach vorne. Die Trademarks sind immer noch vorhanden, auch im Solobereich ist klar Rolfs Handschrift zu erkennen. Leadharmonien bestimmen demnach immer noch das Bild, nur hören die sich heute eher nach THIN LIZZY an. Bestes Beispiel dafür sicherlich „Desert Rose", welches in der Strophe von kraftvollen Akkorden bestimmt wird.
Das alles hat aber nichts mit der Qualität des Songwritings zu tun, letztendlich ist das viel Geschmackssache. Doch wer von Beginn an über eine so lange Zeit dermaßen konsequent den ein und selben Stiefel durchzieht, bei dem fallen Veränderungen schneller auf und werden kritischer beäugt. Vielleicht wäre es besser gewesen, einige Songs für ein weiteres Album von Rock´n´Rolfs Nebenprojekt GIANT X zu verwenden und ein erneutes RUNNING WILD-Werk hinten anzustellen.

Rein objektiv muss man aber festhalten, dass gegenüber „Shadowmaker" musikalisch klar nachgebessert wurde. „Resilient" klingt einfach griffiger, inspirierter und knackiger, man hört, dass da mehr gefeilt wurde. Vor allem im Gesang steckt wieder mehr Herzblut und Biss, alles wirkt frischer. In Sachen Produktion wurden den Gitarren mehr Ecken und Kanten verliehen, dazu ist der Sound differenzierte, ohne den ganz großen Druck aufzubauen. Die Drums sind immer noch sehr klinisch, wissen aber ein paar Akzente zu setzen. Es wäre wünschenswert, dass sich der Aufwärtstrend fortsetzt, dann könnte der Kapitän vielleicht beim nächsten Mal zur bekannten Form auflaufen. (Pfälzer)

Bewertung: 7 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 51:31 min
Label: Steamhammer/SPV
Veröffentlichungstermin: 04.10.2013

Wertung der Redaktion
David Dirk Anne Maik Kevin Pascal Andreas
6,5 6 5,5 7 7,5 5 5,5
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