Mehrfach-Wertung der Redaktiontiamat_thescarredpeopleIn den letzten Jahren ist es eher still geworden um TIAMAT. Nachdem man auf "Amananethes" schon viereinhalb Jahre warten musste, verging seitdem erneut so viel Zeit. Dabei war die Truppe in den Neunzigern eine der umtriebigsten und kreativsten der ganzen Szene. 1990 starteten sie wie viele junge Bands als reine Deathmetaltruppe, ein Stilkorsett, das ihnen bald zu eng war. Während andere wie UNLEASHED bis heute dem Todesblei treu blieben, strebte Mastermind Johan Edlund nach einem eigenständigen, persönlicheren Sound. Bereits auf ihrem zweiten Album "The Astral Sleep" setzte man Keyboards ein und prägte damit das Gothicmetal-Genre. Der große musikalische Durchbruch gelang 1994 mit "Wildhoney", bei dem  psychedelische und Artrock-Elemente zum Tragen kamen. Danach bestimmten elektronische Einflüsse das Bild, bevor sich der Stil beim Gothicrock konsolidierte. Nachdem es beim letzten Album ein Stück weit zur härteren Vergangenheit zurück ging, dürfen die Fans nun auf  "The Scarred People" gespannt sein.

 

Doch davon ist bei Auftakt mit dem Titelsong wenig zu spüren, auch wenn das eröffnende Riff schön nach vorne treibt. Doch im Verlauf offenbart sich genau der Gothicrock, den uns Edlund auf den Alben um die Jahrtausendwende, sein LUCYFIRE-Soloalbum mit eingeschlossen präsentierte. Schwere Keyboards begleiten den Song hinaus, bevor ebensolche Gitarren zu Beginn von "Winter Dawn" ertönen. Dafür fällt die Nummer noch ruhiger aus, lediglich im Chorus offenbart sich wieder die alte Hymnik.
Düster stampfende, schwere Synthesizer bestimmen das Bild in "384 Kteis", in die immer kleine Pianotupfer hinein gesetzt werden. Einen richtigen Refrain gibt es nicht, nach der Strophe schwellen die Tasten zu noisigen Flächen an. Den ersten kleinen Ausbruch aus dem gotischen Korsett bietet dann "Radiant Star", das ein wenig in Richtung "Wildhoney" schielt. Die Akustikgitarren und Leadfills wecken Erinnerungen an "Do You Dream Of Me". Der weite Chorus hingegen passt sich wieder dem Rest des Materials an und holt den Song aus seiner Introvertiertheit zurück.

Ja, irgendwie kommt dem Hörer hier alles bekannt vor, wie aus früheren TIAMAT-Versatzstücken zusammen gesetzt. Da hilft der süßliche Folksong "Messinian Letter" auch nicht viel weiter, der mit feinen Leadmotiven glänzt. Oder das Solo in "Thunder & Lightning", welches man sich am Ende einer Southernrock-Hymne vorstellen könnte. Denn der Rest des Stückes klingt einfach nach flotteren SISTERS OF MERCY, wie so viel bei den Schweden. Ja, selbst die instrumentalen Zwischenstücke wie "Before Another Wilbury Dies", das sich nahtlos an "The Sun Also Rises" anhängt, baut man wieder ein.

Selbstzitate sind ja an sich nichts Schlimmes, wenn die Qualität noch beibehalten würde, doch irgendetwas fehlt "The Scarred People". Die Melodien stimmen zwar, aber das Ganze wird nicht so inspiriert vorgetragen wie zu Glanzzeiten der Truppe. Alles klingt ein wenig zu lässig, es fehlt an Intensität und emotionaler Tiefe. Härte oder Experimente sucht man ebenso vergebens, man kehrt zu der eingangs angesprochenen Formel zurück. Dazu vermisst man die Höhepunkte, alles wirkt gleichförmig, so dass sich kaum etwas auf Anhieb beim Hörer festkrallen kann.
Die versponnenen Harmonien aus elektrischer und akustischer Gitarre, Keyboards und diversen anderen Klängen sind zwar nach wie vor vorhanden. Doch sie nehmen einen nicht mehr so gefangen, lediglich beim recht vielschichtigen "Love Terrorists" und dem ruhigen Rausschmeißer "The Red Of The Morning Sun" kommt man an die gewohnte Eindringlichkeit heran. So bleibt am Ende nicht mehr als ganz guter Durchschnitt für eine einstmals innovative Formation, schade. (Pfälzer)

Bewertung: 6,5 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit:48:11 min
Label: Napalm Records
Veröffentlichungstermin: 02.11.2012

Wertung der Redaktion
David Andreas Anne Maik Mika Jannick Brix
8 7 7,5 6,5 7 8 6,5
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